Predigten

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 20. Mai 2004, Himmelfahrt

 

Liebe Gemeinde,

der Bibelabschnitt für den heutigen Himmelfahrtstag steht in Apg. 2,3-11.

Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen. Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt. Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft. Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her? Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde. Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.

Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.

Vierzig ist in der Bibel eine wichtige Zahl. Nach vierzig Stunden, war Jesus begraben, vierzig Tage weilte er in der Wüste vor seinem öffentlichen Auftritt, vierzig Jahre wanderte das Gottesvolk durch die Wüste.
Vierzig ist die Zeit des Reifens und nach vierzig Zeiteinheiten geschieht dann meist etwas neues.

So auch hier. Jesus als der Auferstandene zeigte sich vierzig Tage lang seinen Jüngern. Vierzig Tage lang lernen sie begreifen, dass er wirklich lebt. Er aß und trank mit ihnen, er ließ sich berühren und sprach mit ihnen wie eh und je. Vierzig Tage hatten die Jünger Zeit zu begreifen, dass er wirklich auferstanden ist. Auf diesen vierzig Tagen beruht unser apostolischer Glaube, dass Jesus auferstanden ist. Doch diese Zeit findet nun nach vierzig Tagen ihr Ende. Nun ist die Zeit reif für etwas Neues:

Das Neue heißt: Jesus tritt seine Herrschaft im Himmel an.

Er sprach in diesen vierzig Tagen viel vom Reich Gottes. Reich Gottes heißt, für uns Christen, dass Jesus der König des Himmels ist, dass er in alle Ewigkeit regiert.

Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt. Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft. […].
Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.

Jesus lässt seine Jünger glücklicherweise nicht verwaist zurück. Er verheißt ihnen den Heiligen Geist. Oder besser gesagt: die Taufe mit dem Heiligen Geist. Über Geistestaufe gibt es unterschiedliche Auffassungen. Ich möchte ihnen kurz meine Meinung dazu wiedergeben.

An Ostern hauchte Jesus seinen Jüngern den Heiligen Geist ein. Mit diesem Einhauchen konnten die Jünger erst begreifen, wer Jesus ist, so wie es Petrus durch den Heiligen Geist begriffen hatte, als er zu Jesus sagte: Du bist der Messias.

Wenn heute ein Mensch zum Glauben an Jesus kommt, wenn ein Mensch Jesus seine Vergangenheit, sein Leben und seine Pläne Jesus abgibt und ihm nachfolgen will, dann geschieht dies durch das Wirken des Heiligen Geistes. Wenn man eine Liebe zu Jesus spürt, ihm dienen möchte so ist dies, das sanfte Hauchen des Heiligen Geistes.

Lassen Sie sich das von niemanden ausreden. Wenn Sie an Jesus glauben und ihn und seinen Leib, die Kirche lieben, dann wirkt in Ihnen der Heilige Geist.

Bei der Taufe im Heiligen Geistes, wie es die Jünger an Pfingsten erlebt haben, werden die Jünger überströmt mit der Kraft des Heiligen Geistes. Es geschieht einerseits etwas sichtbares mit einem Menschen, das gleichzeitig auch einen übernatürlichen Ursprung hat. Es geschehen dabei Heilungswunder, man redet in anderen Sprachen oder hat prophetische Visionen.

Besonders in den letzten 100 Jahren haben viele Christen, nicht nur in den Pfingstkirchen, sondern in allen Konfessionen dieses übernatürliche Wirken des Heiligen Geistes erlebt. Es scheint, als ob Jesus in diesen Tagen die Kirche noch einmal besonders mit Heiligem Geist überströmen möchte.

Wichtig finde ich, dass Jesus seinen Jüngern empfiehlt auf diese Verheißung der Taufe mit dem Heiligen Geistes zu warten.

Warten heißt, ich muss es nicht krampfhaft selber versuchen den Heiligen Geist zu erzeugen – es heißt aber auch: fest damit zu rechnen, dass es kommt.

Ich kann mir vorstellen, wenn wir nüchtern, wachsam wartend mit der Kraft des Heiligen Geistes rechnen, dann können wir manche Verwirrung und Angst, die damit verbunden ist, vermeiden.

Wir brauchen als Christen diese Kraft. Wir brauchen sie, um seine Zeugen zu sein. Ohne diese Kraft muss man Christ aus eigener Kraft sein und das ist so anstrengend, so zermürbend und niederschmetternd. Man erlebt so viel Niederlagen und Enttäuschung. Und von Jesu Kraft zeugt oft sehr wenig. Aber mit seiner Kraft, macht es Spaß. Wir können seine Zeugen sein. Wir können den Leuten sagen: Schaut unser Leben an, schaut, wie es früher aussah, schaut, welche Kraft in uns wirksam ist. Wir können immer wieder neue Kraft tanken und weiter schreiten auf dem beschwerlichen Weg. Aber damit bin ich schon bei Pfingsten. Kommen wir zu Himmelfahrt zurück.

Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.

Es fällt manchem heute schwer, sich dies bildlich vorzustellen. Wir haben die Denkweise, dass der Wolkenhimmel zu unserer Welt gehört und unmöglich etwas anderes, als verschiedene Gase enthält.

Ich stelle mir die Erde und den Himmel ähnlich wie meinen Körper vor. Ich habe einen Körper, den man sehen kann, den ich berühren und fühlen kann. Ich kann mit diesem Körper zum Arzt gehen, er kann ihn aufschneiden, untersuchen und chemisch analysieren. Und wenn er nicht aufpasst, dann wird er mich sogar dabei verlieren und der Körper verfällt. Doch nie wird der Arzt das finden, was mich als Mensch ausmacht. Er wird nirgendwo meinen Willen, meine Gefühle, meinen Verstand finden – und noch weniger meinen Geist.

Ähnlich stelle ich mir vor, dass auch der sichtbare Himmel auf irgendeine Art und Weise der Zugang zum eigentlichen Himmel ist – ähnlich wie mein Körper der Zugang zu meiner Seele ist. Und so stelle ich mir vor, dass Jesus vor den Augen der Jünger in diese Unsichtbare Welt hinein genommen wird und seine unsichtbare Herrschaft antritt. Die Jünger erleben eine geschichtliche Schnittstelle zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt. Und diese Schnittstelle ist ein Ort, den es auch heute noch gibt. Es ist der Ölberg in der Nähe von Jerusalem.

Jesus wird wieder sichtbar in das Weltgeschehen eingreifen. Das bekennen wir Christen, wenn wir im Glaubensbekenntnis beten: „Von dort wird er kommen zur richten die Lebenden und die Toten.“

Er wird sichtbar in die Welt kommen – es wird einerseits überall  wahrgenommen werden, so wie man einen Blitz in großer Entfernung sehen kann – und gleichzeitig wird es einen genauen Ort geben und dieser Ort ist der Ölberg.

Es wird in einer Zeit sein, in der Israel in großer Bedrängnis sein wird. Heute vor hundert Jahren hätte sich noch niemand vorstellen können, dass das Volk der Juden in dem damaligen Palästina bedrängt werden könnte, weil es nicht staatlich organisiert war. Heute gibt es einen politischen Staat. Heute leben wir in einer Zeit, in der das Land Israel vor allem von den USA beschirmt und gefördert wird. Sollte dieser Schutz aber wegfallen, dann könnte ich mir vorstellen, dass diese große Bedrängnis, die Nacht Jakobs, sehr nahe ist. Aber auch der Tag, an dem Jesus wieder sichtbar seine Füße auf den Ölberg setzt, ist damit um so näher gerückt. Darum, wollen wir unsere Häupter erheben und aufschauen, denn auch unsere Erlösung, die Erlösung der Kirche naht.

Amen.