Predigten

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 13. März 2005

 

Liebe Gemeinde,

Jesus sagt in Lukas 6, 36-38:

„Seid so barmherzig wie euer Vater im Himmel! Richtet nicht über andere, dann wird Gott auch nicht über euch richten! Verurteilt keinen Menschen, dann wird Gott auch euch nicht verurteilen. Wenn ihr bereit seid, anderen zu vergeben, dann wird Gott auch euch vergeben. Gebt, was ihr habt, dann wird Gott euch so reich beschenken, dass ihr gar nicht alles aufnehmen könnt. Mit dem Maßstab, den ihr an andere legt, wird auch Gott euch messen.“

Wenn ihr bereit seid, anderen zu vergeben, dann wird Gott auch euch vergeben.

Warum ist Vergebung so wichtig?

Gott sehnt sich nach Gerechtigkeit. Er wünscht, dass jeder das bekommt, was er verdient. Er will, dass es zu einem Ausgleich kommt. Und hat auch das innere Gefüge der Welt so eingerichtet, dass früher oder später die Sünde eines jeden auf ihn oder seine Nachkommen zurückfällt.

Aber gleichzeitig will Gott, dass die Übeltäter nicht zugrunde gehen. Er liebt sie und hat keine Freude am Tod der Gottlosen.

Darum gibt es nur eine Lösung, dass Gerechtigkeit und Gnade gleichzeitig möglich sind.

Diese Lösung heißt Vergebung.

Gott vergibt uns unsere Schuld. Durch Jesus Tod am Kreuz hat er einen Weg gebahnt, dass unsere Schuld gesühnt wird, dass der Gerechtigkeit Genüge geleistet wird und dass wir trotzdem leben können.

Die einzige Bedingung, die Gott bei der Umkehr stellt, ist, dass wir auch bereit sind zu vergeben. Wir sollen unseren Groll, unsere Bitterkeit, unseren Hass, das, was wir dem anderen heimzahlen wollen ihm schenken. Nur so kann er dem anderen vergeben – nur so kann er uns ganz von Schuld freimachen. Denn auch die Schuld, die an uns begangen wurde, bleibt an einem Opfer haften, wenn sie nicht vergeben wird.

Was sollen wir vergeben? – Verletzungen

Jedes Lebewesen hat eine Art Haut, die es von der Umwelt abtrennt. Ohne diese Abgrenzung würden wir auf der Stelle verbluten. Diese Haut schützt uns. Wir haben verschiedene Eingangs- und Ausgangstore, die uns helfen mit der Umwelt Kontakt aufzunehmen. Durch den Mund können wir Nahrung aufnehmen, durch die Nase kommt die Luft, durch die Ohren Informationen. Doch wenn die Haut, die natürliche Abgrenzung verletzt oder durchstoßen wird, dann bedeutet das Alarmstufe rot. Wenn wir nicht darauf reagieren, dann verbluten wir, oder wir werden vergiftet, oder durch Bakterien getötet.

Ähnlich wie jeder Mensch sich mit seiner Haut von seiner Umwelt abgrenzt, hat auch die Seele verschiedene Bereich durch dies sie sich von der Umwelt abgrenzt.

Wenn dieser Lebensraum verletzt, geraubt oder zerstört wird, dann gerät unser inneres Gleichgewicht ins Wanken.

Eine Seele ist so veranlagt, dass sie sich verteidigt. Denn wenn unsere Seele verletzt ist, verlieren wir Lebenskraft, Lebensmut und Lebensfreude.

Unsere seelische Haut besteht aus vier Bereichen.

Die Innenschicht nenne ich Liebe und Annahme

Liebe ist der Mantel, den unsere Seele braucht, um zu leben. Jeder Mensch braucht Liebe, Zuwendung, Fürsorge, Zärtlichkeit, Ansprache, Aufmerksamkeit. Wir Menschen sind keine Fische, die ohne Fürsorge anderer Menschen aufwachsen und leben können. Wir Menschen sind vielmehr die Lebewesen, die am allerlängsten von ihren Eltern abhängig sind. Wir verkümmern, wenn wir keine Liebe bekommen. Wir bluten, wenn wir abgelehnt werden. Der erste Mord unter den Menschen geschah, als Kain sich von Gott ungeliebt und abgelehnt fühlte. Jesus starb mit den Worten: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“

Ablehnung von Menschen, die uns wichtig sind, ist eines der schlimmsten Verletzungen, die uns widerfahren kann. Denn wir sind als Wesen der Liebe erschaffen. Wir brauchen sie, um zu leben. Das ist unsere Bestimmung zu lieben. Ohne Liebe wird unser Menschsein zerstört.

Die Mittelschicht der seelischen Haut ist: Ehre

Jeder Mensch benötigt als Lebensraum eine gewisse Achtung vor sich selber und vor seinen Mitmenschen. Jeder wünscht einen guten Ruf zu haben, geehrt und respektiert zu werden. Man gibt oft sehr viel Geld für Kleider, Autos oder Häuser aus, nur um bei den anderen gut dazustehen.

Man opfert seine Zeit und seine Familie für eine langweilige Tätigkeit nur, um Chef oder Vorstand zu heißen.

Die Ehre ist nötig, damit andere uns ihr Vertrauen schenken können. Ohne eine Achtung vor uns selbst oder vor anderen, können wir uns auch nicht an Regeln halten. Wir verlieren irgendwie den Halt und gehen zugrunde.

Was unsere Ehre besonders verletzt ist die üble Nachrede. Also wenn Leute schlechtes über uns reden.

Und die Außenschicht, unserer seelischen Haut braucht Besitz

Jeder benötigt als Lebensgrundlage etwas, das er sein eigen nennen kann. So etwas wie eine Heimat oder einen Schatz. Im Alten Testament legt Gott großen Wert darauf, dass jede israelitische Familie einen unveräußerlichen Besitz erhält. Man konnte sein Gut zwar verkaufen, doch alle 50 Jahre musste der Besitz an die eigentliche Familie zurückgegeben werden. Alle Welt strebt danach möglichst viel zu besitzen. Es ist nun Unrecht und eine Verletzung wenn jemand am Besitz des anderen vergreift und bereichert. Verliert man seinen Schatz, so verliert die Seele seine Lebensgrundlage.

Der vierte Bereich, der unsere Seele verletzlich macht ist unser Wille.

Wenn das, was wir uns wünschen, was wir uns vornehmen, wofür wir kämpfen von anderen zunichte gemacht wird, wenn wir es nicht schaffen, dann sind wir verletzt und traurig.

Soweit zu den Verletzungsbereichen unserer Seele.

Wenn ich verletzt bin, mich etwas schmerzt, dann ist es lebenswichtig genau hinzuschauen, wo ich verletzt bin, dass die Wunde an der richtigen Stelle behandelt wird. Ebenso ist es wichtig, zu fragen, inwiefern meine seelische Haut verletzt worden ist.

Wurde mir Liebe vorenthalten, die ich so nötig gehabt hätte? Log jemand über mich, oder erzählte schlechtes über mich weiter, oder wurde mir etwas weggenommen?

Liebe Gemeinde, am meisten können Kinder verletzt werden, weil sie noch kaum Möglichkeiten haben, sich zu wehren.

Und so tragen viele Erwachsenen eine klaffende Wunde in sich, die noch aus der Kindheit stammt. Das Kind, das noch in ihnen lebt, schreit nach der Liebe, nach der Achtung, nach Gerechtigkeit. Doch solange die Verletzung nicht geheilt ist, kann ein Mensch nicht glücklich werden.

Die Lösung, die der Teufel auf Verletzung uns Menschen bieten will, das ist Rache bzw. Selbstmitleid.

Wenn ein natürlicher Mensch die Kraft und die Möglichkeit hat, dann rächt er seine Verletzungen. In unserer zivilisierten Gesellschaft geschieht dies durch Mobbing, durch üble Nachrede, durch Sticheleien, durch ständiges Schimpfen, passiven Widerstand und Kälte.

Es kann aber auch zu Wortgefechten, Streitereien und sogar Mord und Todschlag kommen. Die Zeitung und die Nachrichten sind jeden Tag voll davon.

Wenn der natürliche Mensch nicht die Kraft und die Möglichkeit hat, sich zu rächen, dann verfällt er dem Selbstmitleid. Er grollt innerlich, er verbittert und hadert mit sich und der ganzen Welt. Diese Bitterkeit kann zu Depressionen und Krankheiten führen.

Die Angebote des Teufels, Rache oder Selbstmitleid schmecken im ersten Augenblick vielleicht süß. Doch bei der Rache wächst das Unrecht heran und jede Form von normalem Zusammenleben geht kaputt. Ebenso zerstört uns das Selbstmitleid.

Darum wollen wir mal auf die Lösung, die Gott uns anbietet schauen: Vergebung und Heilung.

Damit Gott mich heilen kann, muss ich zunächst vergeben. Ich möchte zunächst verschiedene Aspekte der Vergebung beleuchten:

1. Das wichtigste an Vergebung ist, die Entscheidung.

Wenn mir jemand 100 Euro schenkt, dann muss ich mich entscheiden, was ich mit dem Geld mache. Kaufe ich etwas davon, lege ich es bei der Bank an oder schenke ich es weiter. Ich muss eine Entscheidung fällen. Selbst, wenn ich das Geld auf dem Tisch liegen ließe, dann wäre auch das eine Art Entscheidung.

Ebenso verhält es sich mit Schuld. Wenn jemand mir Unrecht getan hat, dann muss ich mich entscheiden wie ich damit umgehe. Ich kann nicht sagen, das geht mich nichts an. Ich muss mich entweder für Vergebung entscheiden oder für Rache oder Selbstmitleid.

Darum halte ich es für äußerst wichtig, egal wie man sich fühlt, egal was man denkt, sich für die Vergebung zu entscheiden, denn das ist Gottes Wahl und wir vertrauen darauf, dass sein Wille das Beste ist.

Wenn ich nun mich entschieden habe zu vergeben, dann kann der nächste Schritt folgen:

2. Das Verstehen.

Wenn man verletzt wurde, dann hilft es sich zu fragen: Warum hat der andere so gehandelt. Denn in den meisten Fällen meinen die anderen es gar nicht so böse. Nur wenige Menschen verletzen in voller Absicht. Manche Täter können auch nicht anders handeln, weil sie selber so verwundet sind, weil sie selber nie Liebe bekommen haben, weil sie sich rächen wollen für etwas, was ein anderer ihnen angetan hat. Jesus sagte: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Jesus hat praktisch seine Peiniger verstanden. Wenn ich den anderen verstehen kann, dann können sich auch die negativen Gefühle ihm gegenüber beruhigen.

3. Ein weiterer Schritt zur Vergebung, dass ich die Schuld ins richtige Verhältnis setze.

Ich muss mich fragen, mit welchem Maßstab messe ich den anderen? Brauche ich wirklich so viel Liebe und Zuwendung und Zeit des anderen. Oder verlange ich zuviel von ihm.

Brauche ich wirklich so viel Achtung, Ehre und Respekt. Muss ich wirklich immer an erster Stelle kommen und im Mittelpunkt stehen – oder tut es mir nicht auch gut mal ein wenig bescheidener und demütiger sein.

Muss ich wirklich so ganz pingelig meinen Besitz verteidigen und wahren. Brauche ich wirklich so viel. Oder kann ich nicht auch mal teilen? Muss ich unbedingt immer meinen Willen durchgesetzt bekommen?

Einen Sachverhalt in das richtige Verhältnis zu setzen halte ich deswegen für sehr wichtig, weil wir in der geistigen Welt mit dem Maßstab gemessen werden, den wir bei anderen anlegen.

Da möchte ich doch lieber etwas großzügiger sein und auch den anderen ihre Liebe, ihren Respekt und ihren Besitz gönnen. Es kommt dann allemal auf mich gut zurück.

4. Eine weiterer Schritt, der zur Vergebung gehört, ist, den Raum für Wiedergutmachung öffnen.

Ich war einmal unachtsam und habe die leisen Warnungen Gottes überhört und prompt eine allein erziehende Mutter mit ihren Kindern zutiefst verletzt.

Die Frau war mutig und offen genug mir das zu sagen. Sie bat um ein Gespräch und erklärte mir, was in ihr vorging. Ich war sehr betroffen und es tat mir sehr leid. Ich bat sie um Entschuldigung. Aber irgendwie hatte ich das Bedürfnis den Betroffenen noch etwas Liebes und Tröstendes zu geben. Ich wusste, dass diese Familie sehr gerne zusammen ins Kino ging und so kaufte ich ihnen Kinogutscheine. Es war für mich als Täter damals sehr befreiend, dass sie zusammen ins Kino gegangen sind. Es war eine Art Zeichen, dass sie meine Entschuldigung angenommen hatten.

Liebe Gemeinde, so kann es sein, dass wir hin und wieder mal einem anderen uns mitteilen müssen und ihm sagen, dass wir verletzt wurden. Und dass wir ihm die Möglichkeit geben, die Sache wieder gut zu machen.

Ein weiterer Schritt der Vergebung heißt:

5. Ich verzichte auf die Rache und überlasse sie Gott

Wenn meine Gefühle noch so danach schreien, dass der Täter mit Heller und Pfennig für seine Untaten bezahlen muss, dann kann ich diese Gefühle in die Rachepsalmen der Bibel gießen. Dort wird nicht gerade zimperlich geredet, von denen, die Unrecht tun – doch in einem Punkt bleiben diese Psalmen standfest: Sie überlassen Gott die Rache und das Gericht. Sie vertrauen darauf, dass Gott für Gerechtigkeit sorgt und nicht ich.

Paulus schreibt in Römer 12,19: „Rächt euch selber nicht, meine Lieben, sondern gebet Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: ‚Die Rache ist mein: ich will vergelten, spricht der Herr“.

6. Vergebung heißt: Ich schenke dem anderen die Schuld:

Wenn der andere mich verletzt hat, dann schuldet er mir etwas. In der Regel ist er nicht in der Lage, mir es zurückzuerstatten. Wer kann z.B. wieder gut machen, wenn man schlecht über mich geredet hat. Oder wer kann einen Ehebruch rückgängig machen. Es geht nicht. Man könnte den anderen innerlich in einen Schuldturm sperren und darauf warten, bis er es zurückbezahlt. Aber da kann man lange warten. Er kann es einfach nicht. Darum ist es viel einfacher. Man schenkt es ihm. Und so löst man sich am allerbesten von der schlimmen Tat.

Und noch ein Gedanke zur Heilung

Der Teufel möchte unsere Verletzungen für sich in Anspruch nehmen, um uns und andere zu zerstören. Gott möchte sie haben um uns und andere zu heilen.

Wenn Gott heilt, dann schenkt er mir die Liebe, die mein Herz braucht, kein Mensch kann diese Liebe uns sonst schenken. Wenn er heilt, dann bekomme ich meine Selbstachtung dadurch, dass ich sein Kind bin, Erbe seines ewigen Lebens. Nirgendwo sonst kann man eine solche Wertschätzung und Ehre empfangen.

Wenn Gott heilt, dann lerne ich begreifen, dass er selbst mein Erbteil und mein Schatz sein will. Ja, wenn Gott uns heilt, dann ist unsere Seele so geschützt, dass andere Menschen sie nicht mehr tödlich verletzen können.

Amen

Wer nun sagt, ich möchte jetzt im Augenblick vergeben, der kann jetzt leise folgendes Gebet mitbeten:

Mein GOTT, ich bin verletzt worden und es schmerzt (ärgert, betrübt, ängstigt) mich immer noch. N.N. ..... hat eine Strafe als Sühne für seine Tat verdient. Dazu stehe ich auch als Christ, weil es in der Bibel steht und Unrecht gesühnt werden muss. Weil ich aber an DICH glaube, glaube ich auch, dass die wahre und tiefste Gerechtigkeit bei DIR ist. Ich verzichte darauf, mich in Worten, Gedanken und Taten zu rächen und dabei zwangsläufig neues Unrecht zu tun. Stattdessen gebe ich die Rache an DICH ab, der DU sagst, dass sie DEIN ist. Den Schuldschein, den ich bislang festgehalten habe und der mir schlaflose Nächte, so viele Hassgedanken und Grübeleien eingebracht hat, will ich nicht mehr haben. Ich gebe ihn ein für alle Mal an DICH ab. Und so vergebe ich N.N., dass er/sie ... Und ich bitte DICH, JESUS, dass DEIN unschuldig vergossenes Blut mich selber von meiner Sünde reinigt und auch von der Sünde, die an mir verübt wurde. Ich bitte DICH dass DU mich tröstest und aufrichtest. Lass mich DEINE Liebe spüren, vertrauen, dass ich ein Kind Gottes bin und darauf hoffen, dass DU mich versorgst. Ich bitte, dass die Verletzungen weder mich noch N.N. ins Verderben reißen, sondern dass DU kraft DEINER Auferstehung auch aus diesen Wunden Gutes wirkst.

Amen.

Losungen

 

 

JAHRESLOSUNG 2017

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch
Hes 36,26

Kreatives Atelier

 

 

MEIN KREATIVES ATELIER

Nähkurs für Kinder ab ca. 9 Jahren:

Du möchtest mit der Hand nähen lernen? Vielleicht eine außergewöhnliche Handtasche, eine hübsche Schürze oder kuschelige Kissen selbst nähen? Als gelernte Damenschneiderin biete ich Dir weiterhin den richtigen Umgang mit der Nähmaschine an. Dazu alle wichtigen Schritte, z. Bsp., wie aus einem Stück Stoff ein richtiges Kleidungsstück entsteht. Mit Deiner Phantasie garantiere ich Dir viel Spaß beim Nähen lernen, denn es ist nicht schwer.

Die Teilnehmeranzahl ist begrenzt und ich bitte um frühzeitige Anmeldung. Der Kurs findet 14-tägig mittwochs von 16.00 bis 18.00 Uhr statt, jeweils nach telefonischer Absprache. Die Unkosten für Stoffe und sonstiges Material sowie für Getränke betragen 2,00 € pro Nachmittag. Wenn Du eine Stoffschere und große HandNähnadeln zu Hause hast, dann bringe sie bitte mit.


Ich freue mich auf euren Besuch im Atelier, Eure Gosia.
Tel. 087 74 21