Predigten

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 16. August 1998

 

Liebe Gemeinde

Der Bibelabschnitt der dieser Predigt zugrunde liegt, steht in Röm 11, 25-32.

Ich will euch, liebe Brüder, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist; Und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht: Es wird kommen aus Zion der Erlöser, der abwenden wird alle Gottlosigkeit von Jakob. Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.

Im Blick auf das Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber im Blick auf die Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen. Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. Denn wie ihr zuvor Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams. So sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen. Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme. „Ich will euch, liebe Brüder, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet.“

Um die richtige Einstellung zu diesem Thema zu bekommen müssen wir uns Gedanken zu dem Wort Geheimnis machen. Zunächst möchte ich zwischen Geheimnis und Rätsel unterscheiden. Das gemeinsame bei einem Geheimnis und einem Rätsel ist, dass die Antwort nicht offensichtlich ist. Nur bei einem Rätsel kann man sich die Antwort durch eigenes Nachdenken logisch erschließen und dann ist alles klar, die Sache beschäftigt einen nicht mehr weiter und die Antwort hat auch nichts mit mir zu tun. Ein Geheimnis dagegen gibt die Antwort meiner Fragen nicht so schnell preis. Ich muss mich mit meiner ganzen Person darauf einlassen, ich muss wie ein Kind staunen und mich wundern können, dann lerne ich die Antwort des Geheimnisses kennen.

Am Märchen von den Heinzelmännchen kann man sich den Unterschied klarmachen. Es war einmal in einem Haus irgendwo in Köln. Dort gingen seltsam schöne Dinge vor sich. Jeden Morgen, wenn die Hausherren aufstanden, war alle liegen gebliebene Arbeit getan. Jeden Morgen konnte man wieder neu staunen, wie alles blitzte und blinkte, wie alles frisch und schön war, ohne, dass einer der Hausbewohner auch nur einen Finger gekrümmt hatte. Nun wollte aber die neugierige Herrin des Hauses aus dem schönen Geheimnis ein Rätsel machen. Sie wollte sich genau erklären können, wie die ganze Arbeit getan wird. Sie streute Erbsen und legte sich auf die Lauer. Als sich in der nächsten Nacht die Heinzelmännchen wieder an die Arbeit machten stolperten sie über die Erbsen, die Frau des Hauses leuchtete mit ihrem Licht darein, sah die wundersamen kleinen Helfer und konnte so sich alles erklären. Das Geheimnis war gelüftet – es war zum erklärbaren Rätsel geworden. In der nächsten Nacht kamen keine Heinzelmännchen mehr, das Geheimnis war verschwunden.

Ähnlich müssen wir darauf achten, wenn Paulus von einem Geheimnis spricht, dass wir es nicht zu einem Rätsel machen. Wir sollen uns also nicht anmaßen und uns selbst für klug halten und meinen wir könnten alles logisch erklären. Fragen wir nun nach Israel, den Juden – Gottes Volk. Dann sollen wir nicht vorschnell mit platten Antworten kommen und etwas vom Wunder der Wege Gottes und vom Wunder seiner Barmherzigkeit zertrampeln. Gerade, was das Volk Israel anbelangt, so sind wir oft sehr schnell mit unseren Urteilen. Viele von ihnen treffen die Sachverhalte ganz korrekt, sie sind gespeist aus Zitaten des Neuen Testamentes und dennoch treffen sie nicht den wahren Kern – weil wir nicht mehr darüber staunen können, wie ein Kind darüber, dass der Papa ein kaputtes Spielzeug wieder reparieren kann.

Auch läuft eine Predigt über dieses Thema Gefahr, dieses Geheimnis zu zerstören. Möge es sich uns dennoch etwas erschließen. Hören wir einmal auf das Geheimnis des Paulus: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist.

Verstockung oder auch Verhärtung ist einem Teil Israels widerfahren. Wie ist das zu verstehen? In einem Beispiel sei dieser Sachverhalt verdeutlicht.

Stellen Sie sich vor, der Königssohn des Landes wollte eine große Hochzeit feiern. Überall in die Welt schickte er seine Einladungen hinaus, um seine Verwandten und Freunde herbeizurufen. Alle sollten kommen und sich freuen und feiern. Ein rauschendes Fest sollte es geben. Mit einem feierlichen Gottesdienst, einem Zug durch die Straßen, einem großartigen Festessen, einem rauschenden Ball mit den bekanntesten Tänzern und Künstlern und zuletzt einem herrlichen Feuerwerk. Das Volk des Landes sollte einen Tag frei bekommen, sie durften auch an der Straße stehen und dem Brautpaar zujubeln, doch so richtig dabei sein, durften sie natürlich nicht, obwohl sie insgeheim davon träumten. Sie fieberten dem Termin entgegen, machten sich Gedanken über die Feier, kauften sich Zeitschriften, die in allen Einzelheiten über die Vorbereitungen berichteten. Die geladenen Gäste des Königs dagegen freuten sich nicht über die Hochzeit und die Einladung kam ihnen nicht gelegen. Ihr Herz war verschlossen gegenüber dem, was ihren König betraf. Er war ihnen einfach nicht mehr wichtig. So suchten sie allerlei Entschuldigungen, um beim Fest nicht erscheinen zu müssen. Nur zwei, drei richtig gute Freunde sagten zu.

Wie hat der König daraufhin reagiert? Einmal hat er die vielen Absagen seiner Verwandten als Missachtung und Angriff gegenüber seiner Würde betrachtet. Und dann hat er etwas ganz außergewöhnliches getan. Er hat einfach alle Leute eingeladen, die gerne zum Fest gekommen wären.

Stellen Sie sich vor, sie bekämen morgen früh einen Einschreibebrief aus Brüssel, worin Prinz Philipp Sie mit feierlichen, selbst unterschriebenen Karte zu seiner Hochzeit einladen würde. Außerdem dürften Sie noch so viele Leute mitbringen, wie sie wollten, denn Prinz Philipp schrieb dazu: Ihre Freunde sind auch meine Freunde. Machen Sie sich auch über Übernachtung keine Gedanken, wir haben in unserem Schloss genug Platz. Um Antwort wird gebeten. Würden Sie sich da nicht den ganzen Tag wundern und sich freuen? Würden Sie nicht ganz stolz viele Ihrer Freunde fragen: Sag mal, hast du nicht Lust übernächstes Wochenende mit mir nach Brüssel zu gehen. Ich bin zur Hochzeit von Prinz Philipp eingeladen, du darfst auch mitkommen, in der Kirche wird uns ein Platz reserviert und wir dürfen an seinem Tisch sitzen.

So ähnlich muss man sich die Heilsgeschichte im Sinne des Paulus vorstellen. Gottes Sohn selbst sollte König, Messias von Israel werden. Ein riesiges Fest ähnlich der Hochzeit eines Königs sollte es geben, wenn endlich der Messias seine Herrschaft antrat. Ein Fest zu dem ganz Israel geladen war. Ein Fest nie gekannter Freude, denn der Messias sollte endlich ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens aufbauen. Er sollte abwischen alle Tränen und ausrotten alle Bosheit. Und Heiden, die Menschen also, die Gegenständliches anbeteten statt dem lebendigen Gott, die sollten das zu sehen bekommen, was Israel stets geglaubt hatte. Zuerst also, sollte das erwählte Volk zum Fest geladen sein und dann sollten die Heidenwelt Gottes Herrlichkeit und Macht erfahren.

Doch die geladenen Gäste lehnten den König ab. Sie machten ihr Herz zu, gegenüber der freundlichen Einladung. Nur ganz wenig Geladene freuten sich und nahmen die Einladung an. Der Apostel nennt diese Ablehnung: Verstockung, oder man kann auch Verhärtung dazu sagen.

„Aber, aber“ könnte man nun zu Paulus sagen, „es kann doch auch sein, dass Israel ihren König einfach nicht wahrgenommen hat, aber bewusst abgelehnt wurde er doch nicht.“ Paulus dagegen meint: Doch, denn die Schrift redet deutlich: Es wird kommen aus Zion der Erlöser, der abwenden wird alle Gottlosigkeit von Jakob. Und ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.“

Zion, das ist Jerusalem – dort wurde Jesus, der Retter gekreuzigt – dort trug er alle Sünden hinweg. Dort begrub er alle Sünden Israels mit sich in seinem Grab. Dort in Jerusalem wurde er auch wieder zum Leben erweckt. Viele glaubwürdige Zeugen und Paulus selbst sind ihm begegnet – das ist das eindeutige Zeichen Gottes, dass Jesus Christus der versprochene Retter ist, denn Gott gibt seinen Gesalbten nicht dem Tode preis. Wie es unzählige Male in den Psalmen heißt. Wer aus Israel also, wie Paulus, die Heilige Schrift versteht, der kann sich nicht herausreden, er hätte von nichts gewusst. Jesus von Nazareth ist der verheißene Retter und Messias des Volkes Israel.

Das ist der traurige Teil des Geheimnisses: Es gibt Menschen, die wählen lieber das Unglück als das Glück. Das ist wie, wenn ein Mensch, dem Ertrinken nahe auf dem offenen Meer treibt. Ein Rettungsschwimmer kommt und will ihn retten, doch der Ertrinkende reißt sich von ihm los, weil er lieber selbst an Land schwimmen möchte.

„Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren“.

Aber – das Geheimnis schließt sich Paulus weiter auf: Gott kehrt sich nicht beleidigt von allen Menschen ab. Er lädt nun andere Menschen ein, mit denen er gar nichts zu tun haben wollte, weil sie nicht zu ihm gehören und macht sie zu seinen Verwandten, seinen Kindern. Fremde Menschen lädt er zu seinem Fest. Das ist ein größeres Wunder, als wenn Prinz Philipp sie zu seiner Hochzeitsfeier einladen würde und sie an seinem Tische sitzen dürften. Darüber kann Paulus nur jubeln und Staunen. Sein ganzes Leben übrigens besteht hauptsächlich darin, Einladungen zu diesem Fest zu verteilen.

Aber dessen nicht genug – ein dritter Teil des Geheimnis erschließt sich Paulus: Israel hat die Einladung, das Evangelium nicht angenommen. In diesem Sinne sind sie zu Feinden Gottes geworden. Dennoch bleibt Gott bei seinem Wort, das er Abraham, Isaak und Israel gegeben hatte. Er verstößt sein Volk nicht auf ewig. Wenn alle Gäste gekommen sind aus den vielen Völkern, dann werden auch die eigentlich geladenen Gäste merken, was da für ein Fest gefeiert wird und wie dumm sie sind, dass sie die Einladung nicht angenommen hatten. Dann aber werden sie eilen, um noch rechtzeitig zu dem Fest zu kommen, dessen Einladung sie zuerst gar nicht angenommen hatten. Sie werden kaum zu hoffen wagen, noch Einlass zu finden. Denn, wenn man sich einmal unhöflich entschuldigt hat, dann braucht man nicht meinen, noch willkommen zu sein. Doch das ist die schöne Seite des Geheimnisses worüber Paulus staunt: Dann werden auch sie nicht ausgestoßen werden, sondern Barmherzigkeit erlangen. So staunen und wundern sich heute schon Christen darüber, dass ausgerechnet sie, zu Gottes großem Fest geladen sind, seine Liebe erfahren dürfen. Und so werden einmal die staunen, die in letzter Minute noch ihre Einladung annehmen. Keiner kann sich etwas einbilden.

„Denn, so Vers 32, Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.“

Ja, dass er sich unser erbarme, darüber wollen wir staunen, dessen wollen wir uns freuen, und ihn loben.
Und vergessen wir nicht, wie Paulus, Einladungen zu verteilen.

Amen.

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