Predigten

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 24. März 2002

 

Liebe Gemeinde,

der Predigtabschnitt der heutigen Predigt steht in Hebr. 12, 1-3:

Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen, alles, was uns träge macht, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns verordnet ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Gedenkt an den, der soviel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, damit ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.

Niel Anderson, ein bekannter Seelsorger bekam einmal während einer Konferenz folgenden Brief: Sehr geehrter Herr Anderson, ich besuchte Ihre Referate vom Sonntag und wollte nach der Abendveranstaltung persönlich mit Ihnen sprechen, doch während ich wartete, fühlte ich mich plötzlich elend. Mir wurde heiß, als ob ich Fieber hätte, und ich fühlte mich so schwach, dass ich dachte, ich würde gleich ohnmächtig. Darum ging ich nach Hause.
Ich brauche Hilfe. Seit ich Christ geworden bin, habe ich mehr Schwierigkeiten als je zuvor. Ich habe oft zuviel getrunken und Drogen in Überdosis genommen – öfter als ich zählen kann. Ich habe mich auch mehrmals mit Rasierklingen geschnitten, ein paar Mal sehr gefährlich. Alle paar Tage überfallen mich Selbstmordgedanken, und ich überlege dann, wie ich vorgehen könnte, ...
Äußerlich erscheine ich ganz normal: Ich habe eine gute Stelle und wohne bei einer angesehenen Familie der Gemeinde. Ich halte sogar Kindergottesdienste [etwas abgeändert]. Aber ich bin nicht mehr imstande, meine Beziehung zu Gott zu beschreiben. [...] Manchmal denke ich, dass ich wegen meiner unschönen Kindheit so geworden bin, oder vielleicht ist es angeboren. Wie kann ich wissen, ob meine Probleme in meinen Gedanken liegen oder das Ergebnis von Sünde und Ungehorsam gegenüber Gott sind – oder gar dämonischen Einfluss anzeigen? ...

Liebe Gemeinde,

„Seit ich Christ geworden bin, habe ich mehr Schwierigkeiten als je zuvor.“ Dies drückt die Erfahrung von vielen Christen aus. Und das hat seinen Grund. Denn sobald wir beginnen, Jesus ernsthaft und ehrlich nachfolgen, dann haben wir einen persönlichen Feind. Dann erhebt sich eine Macht gegen uns, die alles dransetzt, damit wir von Jesus wieder weg kommen, dass wir im Glauben nicht wachsen und schon gar keine Früchte bringen. Die Bibel nennt diese Macht: Satan.
Und die satanische Macht verwickelt uns in einen harten Kampf. Meist macht sich der Kampf in negativen Gedanken bemerkbar. In Selbstanklage, in Gedanken der Kritik gegen andere Christen, in Überheblichkeit und auch irgendwelchen Versuchungen, Gottes Gebote zu brechen. Diese negativen Gedanken enthalten meistens ein Körnchen Wahrheit, aber sind immer mit einer dicken Lüge verbunden.
Diese Gedanken können sich richtig in unserem Denken festsetzen, hineinkrallen und ganze Bastionen bilden, so dass sie  schließlich unser ganzes geistliches Leben zum Erlahmen bringen. Ja, das schlimmste ist, wenn wir uns nicht gegen diese Gedanken zur Wehr setzen. Dann machen sie uns kaputt, so wie im eben angeführten Beispiel. Wenn sich dann der Gedanke z.B. an Selbstmord erst einmal etabliert hat, dann ist der Schritt zur Tat nicht mehr weit.

Und Gott? Warum lässt er diesen Kampf denn zu? Gott lässt diesen Kampf zu, damit wir Gehorsam, Gottvertrauen und Demut erlernen. Dass wir uns ganz auf ihn verlassen und dass wir geläutert werden. In diesem Sinne ist uns dieser Kampf verordnet. Er gehört nun einmal zu. Diesen inneren Kampf habe ich zu bestehen, auch als Pfarrer, ebenso wie jeder andere Christ. Und er lässt ihn zu, weil er will, dass wir siegen. Er will, dass auch wir wie Jesus die Böse Macht aus unserem Leben mit vertreiben. Sieg bedeutet, wenn diese negativen Gedanken abgeschmettert werden, wenn sie uns nicht mehr gefangenen nehmen.

Damit wir zu siegen vermögen, stellt uns Gott jede Menge Hilfen und Tipps zur Verfügung, damit wir in diesem Kampf das Feld behalten und den Feind in die Flucht jagen können. Im Epheserbrief ist von einer ganzen geistlichen Waffenrüstung die Rede. Das Gebet ist praktisch die wirksamste Waffe.

In unserem Bibelabschnitt kann ich vier Tipps entdecken:

1. Tipp: Stell Dir vor, eine Wolke von Zeugen feuert Dich an!

Viele Sportler erreichen gute Leistungen durch hartes Training. Aber die Höchstleistungen, die Weltrekorde und Bestzeiten, die schaffen sie meistens, wenn sie vor einem Publikum stehen, das sie anfeuert, das mitbangt und mithofft und mitjubelt bei jedem Zwischensieg, der in einer Etappe erreicht wurde. Ja, die Sportler fühlen sich geradezu verpflichtet für ihre Fans das Beste zu bringen.
Ähnlich ist es mit unseren Glaubenskämpfen. Wir sind nicht allein. Der Feind will uns einreden, als wären wir ganz allein. Meistens kommen denn solche Anfechtungen, wenn wir uns alleine fühlen. Aber das ist eine Lüge.
Um uns und mit uns bangen wie auf einer Tribüne eine ganze Wolke von Christen, die ihrerseits den Kampf schon gewonnen haben. Sie sind sehr wohlwollend, freundlich, großzügig, aufmunternd. Sie lachen nicht, wenn wir hinfallen, sie gieren nicht nach einem Crash, sie wollen vor allem eines: Unseren Sieg. Unter ihnen sind große Persönlichkeiten dabei. Stellen Sie sich ihren Lieblingschristen, ihr Vorbild vor. Martin Luther, Franziskus von Assisi. Und viele andere.

2. Tipp: Leg ab, was Dich beschwert!

Stellen Sie sich vor, ich müsste in meinem schweren Talar Basketball spielen. Vielleicht hätte ich einen Vorteil durch meine Körpergröße. Aber ich wäre enorm behindert durch meine Kleidung. Ich würde stolpern, hätte Angst, etwas kaputt zu machen oder den Ball nicht richtig zu fangen usw..
So ist es wichtig, in unserem Kampf, dass wir alles ablegen, was uns lähmt, was uns das Leben schwer macht. Das kann von allzu viel Besitz anfangen, über einen zu hohen Fernsehkonsum, der unsere Seele belastet und bei Unversöhnlichkeit enden. All das sind Dinge, die wir ablegen können. Wenn wir merken, dass wir dadurch mehr Erfolge in unserem Kampf erzielen, um so lieber legen wir dann diese Dinge ab.

Aber besonders wichtig ist es, dass wir unsere Sünde ablegen. Dass wir uns von Jesus reinwaschen lassen. Jede Sünde, die wir kennen, aber nicht zum Kreuz bringen macht uns sehr verwundbar.
Das ist wie bei Siegfried, der sich im Blut des Drachens badete. Doch an einer Stelle blieb ein kleines Blatt an seinem Rücken hängen. An dieser Stelle blieb er verwundbar und genau an dieser Stelle wurde er angegriffen und zu Fall gebracht.

Wenn wir unsere Sünden Jesus bekennen, so ist er treu und gerecht und seine Gerechtigkeit schützt uns wie ein Brustpanzer.

3. Tipp: Gib nicht so schnell auf!

Im Bibelabschnitt heißt es: „Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf“

Mit Geduld ist hier nicht gemeint, dass man alles über sich ergehen lassen soll, sondern das griechische Wort meint vielmehr „Ausharren, dranbleiben.“
Immer wieder wird man bei sportlichen Wettkämpfen Zeuge, dass schon alles verloren scheint, dass der Gegner einen riesigen Vorsprung hat. Aber dann gibt es Sportler, die geben sich nicht geschlagen, sie kämpfen weiter, sie lassen sich nicht abbringen. Und wie durch ein Wunder siegen sie zuletzt doch noch.

Liebe Gemeinde, es kann schon immer mal wieder vorkommen, dass wir eine Runde in unserem Glaubenskampf verlieren. Da haben wir uns fest vorgenommen, nicht mehr zu lügen – aber dann ist es doch wieder passiert. Da setzt die Lügenmacht alles dran, um uns einreden zu wollen: Du schaffst es ja sowieso nie. Gib es auf, du hast verloren. Alle Mühe ist vergeblich.
Liebe Gemeinde, lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen. Bleiben Sie dran. Gerade, wenn die Niederlage komplett zu sein scheint, dann ist Gottes Sieg nicht mehr weit. Das kann man am Tod Jesu sehen. Freitags schien alles aus zu sein. Und am Sonntag war der Sieg strahlend und es ist der Sieg über alle Höllenmächte schlechthin. Dies soll ein Vorbild für uns sein. Damit sind wir beim letzten Punkt:

4. Tipp: Nimm ein Beispiel an Jesus Christus, dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens.

Wir Menschen lieben und brauchen Vorbilder. Davon lebt die Sportwerbung. Man bewundert einen Spitzensportler, will auch so gute Leistungen vollbringen wie er und darum ahmt man in möglichst vielen Bereichen nach. Wenn er also ein Turnschuh der Marke Adidas trägt, dann wollen die Fans das ebenfalls, sie wollen dieselbe Lebensversicherung, dasselbe Auto, dieselben Getränke usw.. Ein Mensch braucht Vorbilder, er hat nicht den Instinkt eines Tieres, er braucht andere Menschen, die er nachahmen kann, damit er zu einem tüchtigen und lebensfähigen Menschen wird.
Das gilt auch im geistlichen Bereich. Und da gibt es das allerbeste Vorbild. Jesus Christus. Auch er wurde angefochten, mehr als wir alle, ja, als Mensch musste er sich im Gehorsam üben, schauen wir zu ihm auf, dann lernen wir, wie man es am besten macht.

Aber Jesus ist noch mehr. Er ist der Anfänger und Vollender unseres Glaubens. Wenn wir Christen werden, gut, dann haben wir Anfechtungen, dann kommen Schwierigkeiten, die andere Menschen vielleicht nicht haben. Dann können wir auch mal versagen.
Aber der letztgültige Sieg wurde von Jesus für uns errungen. Wenn wir zu kämpfen haben und gegen die Anfechtungen niederringen und besiegen, dann bekommen wir einen Anteil an Jesu Sieg.
Aber unsere Errettung unser Platz im Himmel hängt einzig und allein von seinem Sieg ab. Er hat ihn errungen. Die entscheidende Schlacht hat er auf Golgatha geschlagen. Dort wurde unsere Sünde besiegt. Darum lasst uns zu ihm aufblicken. Sein Sieg wird uns immer wieder neue Kraft und Durchhaltevermögen geben.

Amen