Predigten

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 03. April 2016

 

Eine Frau im mittleren Alter sitzt auf der Couch ihrer Anwältin und weint. Nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter ist sie nicht nur traurig, sondern auch wütend. Denn das Testament sieht vor, dass die junge Frau und ihre Schwester lediglich zwei beinahe wertlose Ackerflächen erben. Das Elternhaus im Wert von knapp einer halben Million Euro hatten die Eltern ihrem Bruder schon vor ihrem Tod geschenkt. Die Frau

hatte einen Ausgleich erwartet, doch im Testament ist davon keine Rede, und ihr Bruder stellt sich quer. Schließlich gehe es um den letzten Willen der Eltern.

Fast immer gibt es Streit ums Erbe meint ein anderer Anwalt und nicht selten wird bis aufs Blut gestritten" - Er hat bereits Auseinandersetzungen begleitet, die mehr als zehn Jahre andauerten.

Viele Familien sind daran zerbrochen, Häuser wurden zwangsversteigert, und stets ging ein beträchtlicher Teil des Erbes für Anwalts- und Prozesskosten drauf.

Gott sei Dank gibt es noch ein anderes Erbe. Davon steht im 1. Petrusbrief 1,3-9 geschrieben

3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten,

4 zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch,

5 die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereit ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit.

6 Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen,

7 damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus.

8 Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude,

9 wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.

Erben ist eigentlich etwas Schönes. Man bekommt etwas, was man sich nicht selbst erarbeiten musste. In früherer Zeit war ein echtes Erbe deswegen so kostbar, weil man es ganz alleine besaß.

Die frühere Gesellschaft war ja so ausgerichtet, dass eigentlich fast alles, was man hatte ein Lehen war. Lehen war mehr oder weniger etwas ausgeliehenes. Man hatte von einer höher gestellten Persönlichkeit ein Lehen, also ein Stück Land oder eine Burg bekommen. Darauf durfte man leben. Man kam ganz gut damit klar, aber man musste auch Abgaben dafür zahlen, oder Kriegsdienste  leisten oder irgendwelchen anderen Verpflichtungen nachkommen. Wenn man die verweigerte, dann wurde man wieder vertrieben.

Ein Erbe dagegen war etwas, was man ganz alleine be  für sich hatte. Es war etwas, wofür man nichts leisten musste und geben musste. Und darum ist ein Erbe auch so begehrt.

Petrus schreibt uns von einem ganz besonderen, himmlischen Erbe.

1. Ein Erbe, das unvergänglich ist.

Meine Oma erzählte mir oft von ihrem Vater. Der sei Kaufmann gewesen und hätte gut gewirtschaftet. Sie seien sehr reich gewesen. Er hätte teure Lebensversicherungen abgeschlossen und er hätte so gespart, dass für die ganze Familie gesorgt gewesen sei – ja man hätte sich sogar mit dem Vermögen zurückziehen können, ohne zu arbeiten. Doch es kam alles anders. Ihr Vater starb 1923 am Höhepunkt der Inflation. All die Papieren und all die Versicherungen, wofür der Vater sein Leben lang gespart und hingearbeitet hat waren nichts mehr wert. Meine Oma sagte: „Wir konnten uns von dem ganzen Erbe nicht mal einen Schurz kaufen. Alles war wertlos geworden.“

Liebe Gemeinde, alles, was wir hier an Besitz und Gütern sehen, ist alles letzten Endes wertlos. Man könnte alle Güter der Welt besitzen, aber im Augenblick des Todes ist alles nichts mehr wert. Ist nicht mehr als Staub. Hier können wir nur ein vergängliches Erbe erhalten.

Ganz anders ist das himmlische Erbe, das uns Christen erwartet. Es ist unvergänglich. Es ist nicht so, dass es heute all unsere Leistung und unser Leben, unser Herzblut darin steckt und dann ist es plötzlich nichts mehr wert. Es wird in alle Ewigkeit kostbar und wertvoll bleiben.

2. Das himmlische Erbe ist unbefleckt

In der Bibel könnte man Jakob als einen Erbschleicher bezeichnen. Es ging nicht einmal um materielle Güter. Es ging ihm um den Segen, der eigentlich noch viel mehr wert ist, als materielles Gut, weil er über Generationen hinweg Schutz, Gelingen und Glück schenkt.

Vater Isaak hatte diesen Segen nach Recht und Sitte für den Erstgeborenen vorgesehen. Und das konnte  Jakob so nicht akzeptieren. Als sein Vater den Zeitpunkt gekommen sah, dass Esau den Segen erhalten sollte, tat Jakob so, als wäre er Esau. Er verkleidete sich bereitete ein kleines Festmahl für Papa und ergaunerte sich den Segen des Vaters.

Ist dieses Erbe ein gutes Erbe gewesen? Nein. Es wurde das Fundament einer Feindschaft, die alle, die dieses Erbe antreten erleiden müssen.

Bis heute sind die Nachkommen Esaus, wozu letzten Endes auch die Palästinser zählen, böse auf die Nachkommen Jakobs, worunter sich die Israelis sehen. Bis heute werden die Juden als Gauner verschrien. Ich bin überzeugt, weil das Erbe durch Jakob befleckt worden war, das Jakob seinen Kindern vermacht.

Wenn wir in Jesus unser himmlisches Erbe antreten, dann wird dieses Erbe völlig frei von Schuld und Ungerechtigkeit sein. Niemand wird es uns neiden und streitig machen, niemand wird sagen können, eigentlich hätte die Schwester noch etwas davon abbekommen müssen.

Das Erbe ist unverwelklich.

Wenn in der Antike ein Sportler eine große Leistung erzielte, dann erhielt er für seinen Sieg einen Kranz geflochten aus Lorbeeren. Am Tag des Sieges war er schön grün und frisch. Doch im Laufe der Zeit wurden die Blätter welk und spröde und irgendwann vergaß man den Sieg. Andere Dinge waren wichtiger geworden.

Vielleicht haben Sportler ihre Lorbeeren vererbt, aber für die Nachkommen waren wertlos geworden. Der Sieg lag zu lange zurück, um noch stolz darauf sein zu können.

So verwelkt vieles, was heute noch glänzt, schön ist, worauf man stolz ist und seine Freude hat.

Irgendwann wird es altmodisch und man hat eigentlich gar keinen Spaß mehr daran.

Vielleicht hat jemand mal ein schönes altes Silberbesteck geerbt. Aber das Silber läuft immer an und man muss es regelmäßig putzen. Das ist mühevoll. Außerdem Essen schmeckt nicht so richtig und in die Spülmaschine kann man es auch nicht tun. Das alte Erbstück hat seinen Glanz verloren. Man hat keine Freude mehr daran.

Petrus dagegen spricht von einem unverwelklichen Erbe. Das heißt, dass wir immer und immer wieder unsere Freude daran haben. Es wird in jedem Augenblick, wenn wir es betrachten, oder gebrauchen ein Gefühl des Glücks in uns auslösen.

4. Das Erbe wird im Himmel für uns aufbewahrt

Wenn Jesus von Schätzen des Himmels erzählt, dann sagt er, dass dort keine Diebe hinkommen. Wenn das Erbe im Himmel aufbewahrt wird, dann bedeutet das, dass es uns ziemlich sicher ist. Es ist nicht so, dass irgendwelche Umstände uns enterben könnten. Es wird bewahrt. Das können wir Gott glauben.

5. Das Erbe wird unser sein

Es heißt, es wir für uns aufbewahrt. Im Alten Testament spielt das Erbe eine ganz große Rolle. Jeder Israelit sollte als Zeichen der Freiheit ein Erbteil bekommen. Und es war Ehrensache, dieses Erbteil zu bewahren. Von diesem Erbteil konnte die Familie leben und es war unveräußerlich. Das Erbe war das Unterpfand für die erworbene Freiheit. Durch das Erbteil musste keiner mehr Sklave sein.

Ähnlich glaube ich, dass unser himmlisches Erbteil uns total entsprechen wird. Es wird so etwas wie eine Bleibe sein, so etwas wie Heimat und Urlaubsparadies gleichzeitig. Wo wir uns total geborgen und wohl fühlen, was aber immer interessant und neu bleiben wird. Es wird ein Teil sein, in dem wir unser Wesen entfalten. Es wird Teil unserer Berufung sein. Mit dem Ertrag dieses Erbteils können wir Gott wiederum dienen.

Das Erbe ist für uns, aber mit ihm bekommen wir die Möglichkeit Dinge zu haben, die wir geben und verschenken können. Der Himmel wäre kein Himmel, wenn wir dort nichts hätten, was wir geben können. Ihn loben und uns über  ihn erfreuen. Es wird auch Teil des Vaterhauses Gottes sein.

Aber die Bibel ist in der Beschreibung dieses Erbteils sehr dezent. Darum will ich es jetzt auch nicht weiter ausschmücken, denn dann kommt man ja in die Spekulation.

Noch ein letzter Punkt

In das  Erbe wird man hinein geboren. Meist bekommt jemand durch seine Geburt Anrecht auf ein Erbe. Petrus schreibt, dass wir wiedergeboren werden für dieses himmlische Erbe.

Eine Geburt ist eine schmerzhafte Angelegenheit. Meine Frau sagt immer wieder: Man kann sich den Schmerz gar nicht vorstellen. Die Wehen kommen wie in Wellen und tun einfach schrecklich weh. Doch ohne diese Wehen gäbe es keine natürliche Geburt.

So kann auch Petrus davon reden, dass wir, wenn es nötig ist, eine kleine Zeit in Leiden und Anfechtungen verbringen, damit der Glaube geboren werden kann, also wie ein neugeborenes Kind sichtbar wird.

Wenn alles glatt und gut läuft, wenn wir uns nichts fehlen würde, dann wäre unser Glaube auch nicht geläutert, dann wäre er verborgen unter einer allgemeinen Religiosität. Aber wenn Anfechtungen und Fragestellungen kommen, dann beginnt seine Echtheit zu leuchtet.

Dieser Glaube wird durch Leiden und Anfechtungen sichtbar, die, so wie es heißt: für eine kleine Zeit notwendig sind.

Und so gehört es dazu, dass es Tage der Anfechtung und des Leides gibt, bevor wir unser Erbe antreten können. Aber Petrus betont dabei zwei Dinge: „eine kleine Zeit“ – das heißt es ist sehr wenig und begrenzt gegenüber einer Ewiger.

Und er schreibt, wenn es sein muss. Es ist also nichts unnötig. Es hat seinen Sinn. Und so können wir, wenn es Tage der Anfechtung des Leides in unserem Leben erleben, glaubend mit Petrus sagen: „es hat seinen Sinn – es ist nicht unnötig. Es ist ein Teil, um mein Erbe antreten zu können.

Amen.